Mit bester Bilanz zum großen Sprung übern großen Teich

Groß war das Interesse für die MC-Veranstaltung am 26. April 2017. Rund 50 Teilnehmer fanden sich in der 23. Etage des City-Hochhauses bei der European Energy Exchange(EEX) ein. Mit einem Besuch im Allerheiligsten, der Marktsteuerung, begann der hochinteressante Abend. Wolfgang Treber, Leiter der Marktsteuerung, erläuterte das Geschäftsmodell „Energiebörse“. Mehrere Monitore an den 18 Arbeitsplätzen zeigten verschiedenfarbig unterlegte Zahlen-Tabellen. Dahinter verbergen sich Details von Verträgen und Transaktionen für den Handel mit Strom, Erdgas und weiteren Produkten. Hier denkt man zwar langfristig – bis zu sechs Jahre können Verträge abgeschlossen werden – dennoch werden täglich Preise für die gehandelten Produkte ermittelt. Konzentriert saßen die Mitarbeiter an ihren Bildschirmen – hin und wieder gingen sie in den Korridor zum Drucker und kamen mit Tabellenseiten zurück. Etwas Geheimnisvolles ging schon vom Geschehen aus, doch beruhigend: Der Mensch wird offensichtlich (noch) gebraucht, um die Menge an Daten zu beherrschen.

Nach der offiziellen Begrüßung durch den Vorsitzenden des Marketingclubs Prof. Dr. Georg Donat, .trat der sichtlich gut gelaunte EEX-Vorstandsvorsitzende Peter Reitz vor das Auditorium, um über Entwicklung und vor allem die Diversifizierung der einst als reine Strombörse gegründeten Handelsplattform zu sprechen. Grund zur Freude hatte der 51jährige, denn zur Bilanzpressekonferenz am gleichen Tag konnte er u. a. eine Umsatzsteigerung um 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr vermelden. Das operative Ergebnis vor Steuern legte sogar um 76 Prozent zu. Kein Wunder, dass man unter solchen Voraussetzungen weitere Expansionen plant. Zuversichtlich erwartet die EEX wohl noch im 2. Quartal die Genehmigung zum Kauf der US-Strombörse Nodal Exchange mit Sitz im Bundesstaat Virginia, womit die Leipziger Energiebörse mit einem Schlag einen Anteil von 22 Prozent des US-Strommarktes organisieren würden.

Doch, warum wird Strom an der Börse gehandelt?

Nach der Liberalisierung des Strommarktes 1998 war klar, dass eine Plattform für den Handel in Deutschland gebraucht wurde. Neben einigen „Pionieren“ in Leipzig, die im Jahr 2000 die LPX (Leipzig Power Exchange) gegründet hatten, war das auch der Börse Frankfurt bewusst, die damals die EEX (European Energy Exchange) ins Leben rief. Nach rd. zwei Jahren am Markt wurde klar, dass es gemeinsam besser ginge, und im Jahre 2002 fusionierten beide unter dem Namen EEX mit Sitz in Leipzig.

„Wir bringen Angebot und Nachfrage zusammen, und das sowohl kurzfristig am Spotmarkt als auch langfristig am Terminmarkt,“ erklärte der Diplom-Mathematiker, dessen berufliche Stationen von der Deutschen Börse über die Terminbörse Eurex und die Dow Jones Indexes in New York 2007 in den Aufsichtsrat der EEX geführt hatte. Seit August 2011 ist Peter Reitz Vorsitzender des Vorstandes und hat seitdem die EEX vom reinen Stromgeschäft her kommend, breiter aufgestellt, so dass aktuell mit den acht Tochterunternehmen auch in den Märkten für Gas, Kohle, CO2-Emissionsrechte, Agrarprodukte und im Frachtsegment vor allem für Schüttgüter agiert wird. Ein wichtiger Bereich ist das Clearinghaus ECC (European Commodity Clearing), das für Vertragserfüllung und Zahlungssicherheit für die bis zu sechs Jahre laufenden Verträge sorgt.

Die EEX betreut mehr als 500 Handelsteilnehmer in über 30 Ländern und ist mit mehr als 450 Mitarbeitern an 15 Standorten in allen drei Zeitzonen präsent. Eine Herausforderung für die interne Kommunikation. Deshalb, so Reitz, finden regelmäßig Videokonferenzen und der Informationsaustausch über elektronische Medien statt. Nach der Firmensprache in der abschließenden regen Diskussionsrunde befragt, antwortete der CEO, dass das Team aus vielen Sprachgebieten in „broken english“ kommuniziert, und man den Mitarbeitern für die Verbesserung der Sprachkenntnisse Schulungsmöglichkeiten anbiete. Mit den Geschäftspartnern von Lieferanten- und Abnehmerseite werden jährliche Events organisiert, um den „anonymen“ Handel durch lebendigen Austausch zu bereichern.

Die EEX ist – um es mit der modernen Ausdrucksweise zu sagen – ein Leuchtturm in der Region, von dem auch die Stadt Leipzig profitiert, die 2016 über 11 Millionen Euro an Gewerbesteuer kassierte.

www.eex.com/de/                                   BG