Wahlkampf und Marketingstrategie

Die „Marketing-Junioren“ hatten zum Nationalen JuMP Day: Political Campaigning – #njd17 am 12. Juni 2017 in die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Leipzig eingeladen. Julia Münch, Sprecherin der Marketingjunioren (JUMP) des Marketing Clubs begrüßte die rd. 30 Teilnehmer – vor allem Studentinnen und Studenten. Im Blickpunkt des Abends stand ein Vortrag von Julius van de Laar, der von 2003 bis 2006 Politik und Kommunikationswissenschaft in den USA studiert hat. Dort hatte er auch Gelegenheit, zwei Jahre im Wahlkampfteam Barack Obamas tätig zu sein. 2014 gründete in Berlin die Campaigning Academy. Vom Marketingclub Berlin war der Livestream zugeschaltet, zu dem Fragen online gestellt werden konnten. Eingehend ging er auf die aktuelle Situation in den USA ein, ein Präsident, der politisch unerfahren munter bloggt und so manches Unerwartete tut. Werden mit Tweets, Social Bots und Big Data die Wahlen der Zukunft gewonnen? Dabei geht er einerseits darauf ein, dass man dank moderner Medien gute Möglichkeiten hat, Daten zu sammeln, um das Wahlverhalten einschätzen zu können und sich darauf einzustellen. Andererseits braucht das „Politmarketing“ auch einen nationalen Slogan, mit dem die Wähler ihre Erwartungen verbinden. Der Kandidat indes muss auch mit Humor und Herz punkten, und in ungeplanten Situationen spontan authentisch wirken. Er führte als Beispiele dazu Bernie „Birdie“ Senders im Vergleich mit Hillary Clinton an. Als sein Resümee stellte er fest, dass die Kandidaten mutiger werden und loslegen sollten. Bemerkenswert, was van de Laar in einem Interview der Süddeutschen Zeitung sagte: „In Deutschland hört man immer nur »Wählt mich, dann mache ich das«. Obama hat nie »ich« gesagt. Er hat die Gemeinschaft betont, immer von »wir« gesprochen. Diese Philosophie drückte sich auch in seiner Kampagne aus.“ Die Überschrift des Interviews lautete übrigens: „So wie hier in Deutschland will ich keinen Wahlkampf führen!“

Der Liveübertragung folgte der JUMP Raphael Noack im Seminarraum. Der Betriebswirtschaftler war politisch in der Jungen Union aktiv und anschließend in Cottbus zwei Jahre als Kreisgeschäftsführer im Wahlkampf für den OBM-Kandidaten der CDU. In dieser Zeit sammelte er nicht nur regionale Wahlkampf-Erfahrungen, sondern erklärte auch, wie ein Marketingkonzept auch im politischen Bereich von Bedeutung sein kann. Dabei betonte er, dass man sich auf die Zukunft orientieren sollte und nicht auf das, was war. Der Kandidat oder die Kandidatin sind als Person gleichsam eine Marke, deren Positionierung klar sein muss. Die passende Kommunikationsstrategie erlaubt es dann zur richtigen Zeit über den richtigen Kanal die richtige Botschaft der wichtigen Zielgruppe zu vermitteln.

Bei Bagels, knusprigem Gebäck sowie gesponsertem Bier und gab es noch zwanglose Gespräche.

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