Auf einer jahrhundertealten Wirtschaftsbrücke nach Russland

Die Unternehmerreise 2017 führte diesmal nach St. Petersburg. Russland steht seit 2014 unter dem Embargo der westlichen Wirtschaftsnationen. Gerade exportorientierte sächsische Unternehmen sind davon stark betroffen. Für die rund 20 Teilnehmer der Reise habe sich der Besuch der zweitgrößten russischen Stadt dennoch gelohnt, stellte Dr. Uwe Teichert, Vizepräsident des Marketing-Clubs Leipzig fest.

Die Leipziger UnternehmerInnen konnten auf eine jahrhundertelange Traditionslinie setzen: Denn im März 1783 erließ die russische Kaiserin Katharina II. ein Edikt, in dem in Leipzig ein Konsul eingesetzt werden sollte. Damit war die russische Vertretung die erste ausländische konsularische Einrichtung in Leipzig.

Während ihres viertägigen Aufenthaltes residierten die Reiseteilnehmer im zentral gelegenen Fünfsternehotel Petro Palace. Gleich nach der Ankunft im Hotel und der Begrüßung hielt Christian Altmann von der AHK Moskau einen informativen Vortrag zur gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage des Landes. Dabei stellte er u. a. fest, dass die Sanktionen zwar zu einer schweren wirtschaftlichen Situation geführt hatten, doch dadurch auch „Selbstheilungskräfte“ geweckt hätten, zu denen beispielsweise Start Up Unternehmen gehören. Doch die stärksten Impulse erhielt die Landwirtschaft. Präsident Putin hatte im Sommer 2015 als Gegen-Embargo den Import von Lebensmitteln nahezu gestoppt. Dadurch erhielt die Erzeugung einheimischer Produkte starke Impulse, die nun den Markt dominieren, wenngleich sie auch ein wenig teurer sind.

Ein weiteres Wirtschaftsgespräch fand im MOBA-Haus statt, das als Technikpark von der Schweizer Mobatime Gruppe errichtet wurde. Das Unternehmen befasst sich mit mobilen Lösungen für Zeit- und Datenerfassung und leidet derzeit ebenfalls unter den Embargorichtlinien. Durch Produktion im Lande kann das Embargo jedoch teilweise umgangen werden. Beim Businesstreff wurden auch politische Fragen angesprochen, wobei von den russischen Teilnehmern die Entscheidungen der Putin-Regierung zur Besetzung der Krim und den Aktivitäten in der Ukraine akzeptiert wurden. Sie zeigten sich insofern zuversichtlich, dass das Wirtschaftswachstum etwa zwei bis vier Prozent einer Arbeitslosenquote von gerade mal vier Prozent betrage. Ein fachlicher Höhepunkt der Reise war im Moba-Haus auch die Begegnung mit dem Präsidenten des Marketing-Club St. Petersburg, Herrn Mark A. Vybornov, Generaldirektor von Titan Nord West Russland. Er kommt gern zum Gegenbesuch nach Leipzig.

Zu den Ergebnissen der Reise gehörten Aktivitäten gegenüber russischen Unternehmen des Maschinenbaus, um sie für die Teilnahme an der Zulieferermesse Z in Leipzig zu gewinnen. Ebenso standen die Möglichkeiten der Nutzung von Bildungsangeboten der IHK und Handwerkskammer Leipzig im Fokus der Gespräche. Reiseteilnehmer aus dem Immobilienbereich erhielten zwar vielfältige Informationen, doch das Interesse an Kooperationen ist derzeit gering. Allerdings sind einige russische Firmen auf der Denkmalmesse in Leipzig präsent.

Das touristische Rahmenprogramm des Aufenthaltes erlaubte selbst in der Kürze der Zeit den Besuch der Sommerresidenz des Zaren „Peterhof“ (Petrodworez) und Puschkins – des ehemaligen „Zarenhofes“ (Zarskoje sjelo) unweit von Petersburg. Die berühmten Sehenswürdigkeiten der Newa-Metropole konnten sowohl bei einer nächtlichen Newa-Bootsfahrt als auch am Tag zu Fuß bzw. mit dem Komfortreisebus, der die ganze Aufenthaltszeit über zur Verfügung stand, bewundert werden. Auf der Newa wurden sie von ihrer Gästeführerin Olga nach zünftiger russischer Art mit Wodka und Salzgurken bewirtet. Aber auch ein Mittagessen mit Borschtsch und Pelmeni durfte nicht fehlen. Für den Besuch der Eremitage reichte die Zeit allerdings nicht, wie Dr. Teichert bedauernd feststellte, wohl aber für das Winterpalais, den Panzerkreuzer Aurora, die Isaak-Kathedrale, von deren Plattform die malerische Stadt zu Füßen lag, und so manchen romantischen Ort mehr.

Mit einer Vielzahl an positiven Kontakten und Eindrücken kehrten die Leipziger zurück.

Markus Kossmann und Dr. Uwe Teichert haben auch schon Vorstellungen für die Unternehmerreise 2018: „Interessant wäre Santander, das etwa 100 km von Bilbao liegt und beispielgebend für den Fortschritt der Digitalisierung in der kommunalen Verwaltung ist.“ Also, mal sehen, wohin die nächste Reise geht.

Für Interessierte: www.petersburger.info; www.petropalacehotel.com; www.moba.haus/

BG