Energiewende – mit uns – nachhaltig gestalten

Am 1. März 2018 – eiskalter kalendarischer Frühlingsanfang – stand für den Marketingclub ein informativer Rundgang durch eine technische Sehenswürdigkeit im Leipziger Südraum auf dem Programm: Das Braunkohlenkraftwerk Lippendorf. Seit 1926 wird am Standort Strom aus Braunkohle erzeugt. Mit der Inbetriebnahme des modernen Werkes mit zwei 920-MW-Blöcken Anfang 2000 wurden auch im Umweltschutz Maßstäbe gesetzt; im Vergleich zum technischen Stand von 1990 wurden die Emissionen bei Kohlendioxid um 44,6 Prozent, bei Staub und Schwefeldioxid um jeweils 98 sowie bei Stickoxiden um 73 Prozent reduziert. Das Kraftwerk erreicht dennoch den beachtlichen Nettowirkungsgrad von 42 Prozent. Im vertikal aufgehängten Brennkessel, der 54.000 Tonnen wiegt, herrscht eine Verbrennungstemperatur von über 550 ° Celsius. Für den Betrieb und die Instandhaltung sind 300 Mitarbeiter tätig, davon die Hälfte rund um die Uhr im Schichtsystem. Einmal jährlich geht jeder Block für zwei bis vier Wochen in Revision.

Dies und noch viel mehr erfuhren und sahen die rund 20 Teilnehmer beim Rundgang mit dem erfahrenen Ingenieur Lutz Dornberg – ein alter Hase in der Energiewirtschaft und für die Standortkommunikation verantwortlich – ,der sie bis auf 163 Meter Höhe auf das Dach eines Kraftwerksblocks führte.

Wieder unten angekommen, nahmen alle im Vortragsraum Platz, wo MC-Vizepräsident Dr. Uwe Teichert den Gastgeber und Referent des Abends, Kraftwerksleiter Christian Rosin, vorstellte, der zur Thematik Energiewende nachhaltig gestalten referierte. Die Energiewende ist ein Generationenprojekt, das ganz unmittelbare Auswirkungen auf jedes Unternehmen und jeden einzelnen Haushalt in Deutschland hat.

Seit Mai 2014 leitet Cristian Rosin das LEAG-Kraftwerk Lippendorf (LEAG – Lausitz Energie AG). Er studierte in Berlin Energie- und Kraftwerkstechnik, kam 2002 als Trainee ins Kraftwerk und arbeitete sich bis zum Leiter der Instandhaltung hoch. Rosin ist neben seiner beruflichen Tätigkeit zudem in mehreren Institutionen und Organisationen aktiv. Beispielsweise bei IHE – Instandhaltungsausschuss der Energiewirtschaft e.V. als Vorstandsvorsitzender oder der Zukunftsstiftung Südraum Leipzig als stellv. Vorsitzender.

In seinem Vortrag ging er auch auf die Bedeutung des Lippendorfer Kraftwerks ein, das immerhin 80 Prozent des Fernwärmebedarfs der Stadt Leipzig deckt. Die wachsende Stadt hat steigenden Energiebedarf, und die Anforderungen an eine stabile Versorgung wachsen.

Die Energiewende – für den Kraftwerksleiter eine Generationenaufgabe – wird von vielen mit Wunschvorstellungen verbunden, manchmal fern des Realitätssinnes. Eins ist gewiss: Braunkohle ist kein unendlich nutzbarer Rohstoff, doch ideal für die Übergangszeit, bis regenerative Energiequellen eine sichere Versorgung mit Strom und Wärme garantieren. Doch, auch diese Periode wird wohl nur eine Übergangszeit sein, denn seit Jahrzehnten wird auf dem Gebiet der Kernfusion als „unendlicher“ Energiespender geforscht – ungewiss, wann die Technologie ausgereift und in Größenordnungen nutzbar sein wird.

Die Betriebsdauer des Kraftwerks ist bis 2040 geplant, und bis dahin reicht auch die Braunkohle aus dem benachbarten Tagebau Vereinigtes Schleenhain.

Für den Energetiker Rosin zählen Fakten und Zahlen, denn trotz erhöhter regenerativer Energieerzeugung ist die Auslastung des Braunkohlenkraftwerks nahezu stabil geblieben.

Der Energie-Experte sieht die Entwicklung nüchtern und ist in verschiedenen Gremien involviert, die sich mit Szenarien „nach der Braunkohle“ beschäftigen. Stromspeicher, Oxyfuel-Staubfeuerungsanlagen, CCS Combined Charging Systems für E-Fahrzeuge und Methan/Methanol für Turbinen sind einige der Stichwörter des Abends, die von der kompetenten Zuhörerschaft mit diskutiert wurden. Der Fachmann Rosin unterstützt im eigenen Unternehmen einen Digital Thinktank („Denkfabrik“) junger Mitarbeiter, die dabei helfen wollen, technologieoffene Entwicklungen anzuschieben. Auch das Thema Blockchain für eine komplexe intelligente Verknüpfung verschiedener Prozesse spielt eine Rolle.

Gegen die wieder einmal aktuelle Verteufelung des Energieträgers Braunkohle führt der Kraftwerksingenieur nüchterne Fakten an, die die Vorkettenemissionen, die bei Erschließung und Ausbeutung von Erdöl, Erdgas usw. in nahezu gleicher Höhe wie bei Braunkohle liegen, einschließt.

Fazit des Abends: Die Energiewende sollte auch zu einer Wende zu Sachlichkeit statt Wunschdenken und Emotionen werden. Das muss bereits bei einer naturwissenschaftlich fundierten Aufklärungsarbeit in den Schulen beginnen. Christian Rosin und seine Mannschaft bringen sich dabei gerne ein.

www.leag.de/de/geschaeftsfelder/kraftwerke/kraftwerk-lippendorf/         BG

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