Kurt Biedenkopfs Ringen um die deutsche Einheit

Zur Buchpräsentation und Lesung aus den im Herbst erschienenen drei Tagebuchbänden von Prof. Kurt Biedenkopf hatte der Marketingclub gemeinsam mit dem Kuratorium Haus des Buches e. V. am 24. November eingeladen. Der Saal 3 im Haus des Buches war gut besucht, als Prof. Georg Donat den Referenten des Abends Prof. Kurt Biedenkopf und Andreas Pinkwart, Rektor der Handelshochschule, als Moderator begrüßte. Zuletzt war Prof. Biedenkopf 2011 beim Marketingclub. Er bedankte sich zudem bei Dr. Wolfgang Tittel, Vorstandsvorsitzender des Kuratoriums Haus des Buches e. V. dafür, dass der MC bereits zum vierten Mal hier zu Gast sein konnte.

Ohne weitere große Vorreden stellte der Moderator den wohl allen Anwesenden gut bekannten ehemaligen Ministerpräsidenten vor, der nach der Neugründung des Freistaates Sachsen 1990 bis zum Jahr 2002 dieses Amt innehatte. Und das in einer Zeit, in der die Neustrukturierung sowohl viele Chancen aber auch schmerzvolle Prozesse in Gang setzte. Doch, Kurt Biedenkopf, der als Jurist, Hochschullehrer und Politiker gewirkt hat, wirkt auch mit seinen 85 Jahren äußerst lebendig. Vor allem dann, wenn er die Lesung unterbricht, um persönliche Reflexionen einzuflechten. So erfuhren die Zuhörer beispielsweise, dass ihn Kurt Masur und der Rektor der früheren Karl-Marx-Universität überzeugten, eine Gastprofessur an der ehemaligen KMU zu beantragen. Die erste Vorlesung fand kurz nach dem Mauerfall statt, nachdem er mit dem DDR-Ministerpräsidenten Hans Modrow ebenfalls gesprochen hatte und als Alt-Magnifizenz der Universität Bochum an der „alma mater lipsiensis” die Professur antreten durfte. Eine Zeit, in der Biedenkopf nicht nur im Hörsaal sondern auch in der Praxis ein gefragter Gesprächspartner war. Er schilderte, wie er von den Bunawerken in Schkopau eingeladen wurde, immerhin war sein Vater bis Kriegsende dort technischer Direktor und er selbst besuchte das Gymnasium in Schkopau. Bei unzähligen Gesprächen in Betrieben und Kombinaten der DDR wurde er mehr und mehr vertraut mit der Situation der noch volkseigenen Betriebe und setzte sich in verschiedenen Gremien seiner Partei, der CDU, dafür ein, dass man mit Augenmaß und klaren Konzepten die wirtschaftliche Einheit Deutschlands erreicht. Viele Episoden an diesem Abend bringen zum Ausdruck, wie eng in diesen Prozess der studierte Jurist, Politikwissenschaftler und Experte für Wettbewerbsrecht, der in der „alten” Bundesrepublik das Betriebsverfassungs- und das Mitbestimmungsgesetz wesentlich mit ausgearbeitet hatte, eingebunden war. Folglich war es eine fast logische Entscheidung, zur Wahl zum sächsischen Ministerpräsidenten im Oktober 1990 zu kandidieren, wo die CDU mit über 53 Prozent der Stimmen gewann. Er ging an diesem Abend auch auf sein Verhältnis zu Helmut Kohl und ihre unterschiedlichen Positionen ein.

Wie Kurt Biedenkopf eingangs hervorhob, seien die Grundlagen der vorliegenden drei Bände seine rein persönlichen Aufzeichnungen, die nie zur Veröffentlichung vorgesehen waren, gewesen. In seinen Notizen wollte er die jeweiligen Situationen reflektieren und auch seine Ideen und Vorstellungen zur jeweiligen Zeit festhalten. Gerichtet waren sie – teils auch in Briefform – an Ingrid, die er fast 30 Jahre aus den Augen verloren und 1974 wieder getroffen hatte. Beide begannen mit ihrer Heirat 1979 ein „zweites Leben”, beide haben Kinder aus ihren ersten Ehen.

Dass nun dennoch ein Großteil der mehrere tausend Seiten umfassenden Aufzeichnungen – teils als Tagebuch mit Datum und teils auf Gedanken und Situationen bezogen, erschienen ist, wurde durch den Freistaat Sachsen ermöglicht, der der Konrad-Adenauer-Stiftung finanzielle Mittel dafür zur Verfügung gestellt hatte. Zur Begründung hatte der Regierungssprecher mitgeteilt, dass Sachsen „ein hohes staatspolitisches Interesse daran habe, diese für die zukünftige sächsische Geschichtsschreibung bedeutsame Quelle einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.” Am Abend bestand auch die Möglichkeit, die Bände an einem speziell eingerichteten Stand der Buchhandlung Grümmer aus Leipzig-Plagwitz käuflich zu erwerben und von Kurt Biedenkopf signieren zu lassen.

Den Teilnehmern wird der Abend je nach eigener Befindlichkeit in Erinnerung bleiben, leider fehlte die Zeit, Fragen aus dem Auditorium zu stellen, doch einzelne nutzten im Anschluss die Möglichkeit im Direktkontakt mit Prof. Kurt Biedenkopf.   BG

Von Bonn nach Dresden (Aus meinem Tagebuch Juni 1989 – November 1990/ 432 Seiten, 13, ISBN: 978-3-8275-0077-9)

Ein neues Land entsteht (Aus meinem Tagebuch November 1990 – August 1992/ 528 Seiten, ISBN: 978-3-8275-0072-4)

Ringen um die innere Einheit (Aus meinem Tagebuch August 1992 – September 1994/ 528 Seiten, ISBN: 978-3-8275-0073-1) erschienen im Siedler Verlag München.