Leipzigs lebendige Innenstadt behauptet Spitzenplatz in Deutschland

Es sollte ein rege besuchtes Forum werden, zu dem IHK und Marketing-Club in die Alte Handelsbörse eingeladen hatten. Doch, fast die Hälfte der Plätze war aufgrund des zu erwartenden heißen Wetters leer. Dennoch waren die Anwesenden sehr interessiert und ließen sich von Moderator Dr. Helge-Heinz Heinker durch die Veranstaltung führen.
Nancy Schneider, Beiratsmitglied im Marketing-Club und Vizepräsidentin der IHK begrüßte die Teilnehmer des Forums in der Handelsbörse. Als Geschäftsführerin eines Autohauses ist sie sowohl mit den Alltagsproblemen des Handwerks als auch des Handels vertraut. Ein großes Problem sei der zunehmende Fachkräftemangel, da immer mehr junge Leute lieber eine akademische Laufbahn anstrebten. Die aktuellen Herausforderungen sieht sie aber auch in der Digitalisierung, dem E-Commerce und gesetzlichen Bestimmungen, nicht zuletzt der Verpackungsordnung. Sie betonte auch, dass der stationäre Handel noch attraktiver und interessanter für Kunden und auch zukünftige Mitarbeiter werden müsse. Ein Beitrag der IHK zur Steigerung der Attraktivität der Innenstädte bilde seit 15 Jahren der Wettbewerb „Ab in die Mitte“.
Thomas Oehme, Centermanager des Promenaden Hauptbahnhofs und 1. Vorsitzender des City Leipzig Marketing e. V. zeigte zum Einstieg einen kurzen Imagefilm über Leipzig und sprach über den Verein, den er als Bindeglied zwischen den Akteuren in der Innenstadt sieht. Diese mit Leben zu erfüllen und dadurch das Einkaufen und Flanieren anzuregen, ist ein Hauptanliegen des Vereins, dessen 40 Mitglieder Dreiviertel der innenstädtischen Handelsfläche vertreten und der als Organisator u. a. des Promenadenfestes und auch beratend bei Stadtraum- und Verkehrskonzept agiert. Deutlich wurde auch, dass immer mehr Besucher in der Innenstadt auch gastronomische Angebote nutzen.
Die Studie „Vitale Innenstädte 2018“ des IFH Köln wurde bereits zum dritten Mal durchgeführt und von Nicolaus Sondermann, Senior Projektmanager, präsentiert. Darin wurden die Ergebnisse der Befragungen von rd. 2.000 Innenstadtbesuchern in Leipzig an einem Donnerstag und einem Samstag ausgewertet. Bei den Fragen ging es von der Anreise mit Nutzung welcher Verkehrsmittel bis zu Aufenthaltsdauer und Besuchszielen – also um Aspekte, die für die Gestaltung des Handels und der Gastronomie in Innenstadtlagen von Bedeutung sind. Dabei schnitt Leipzig unter den 116 beteiligten Städten anhand von „Schulnoten“ mit dem Spitzenwert von 1,8 ab, vor zwei Jahren war es noch 1,9. Die Bandbreite der teilnehmenden Städte reicht bei den Großstädten von Köln, Frankfurt, Düsseldorf, Essen, Bremen, Hannover, Leipzig und Nürnberg über Mannheim, Bielefeld, Magdeburg, Rostock und Kassel bis zu Lippstadt, Sonthofen, Wismar, Biberach und Cuxhaven bei den Mittelzentren. Damit hat die Stadt ihren Spitzenplatz als lebendige Stadt erfolgreich verteidigt, was natürlich kein Grund zum Ausruhen sein kann, wie der Redner betonte. Gefragt wurde auch nach Kritierien wie Sicherheit, Sauberkeit, Attraktivität des Handelsangebotes, und bei allen konnte Leipzig mit guten bis sehr guten Bewertungen punkten. Die Online-Affinitität der Kunden hat zugenommen, so informieren sich Kunden über das Vorhandensein gesuchter Produkte oder reservieren sie, um sie persönlich abzuholen – das macht immerhin fast 40 Prozent der Consumer aus. Für den Handel bedeutet das lt. Sondermann, seine Marketingaktivitäten stärker multichannel auszurichten.
Jan Wetzel von der COMFORT Leipzig-Berlin GmbH, die vor 40 Jahren in Düsseldorf gegründet wurde und auf den Markt für Handelsimmobilien spezialisiert ist, präsentierte die Entwicklungstrends für Einzelhandelsimmobilien in Leipzig. Nach einem Exkurs in den bundesweiten EH-Markt mit rd. 120 Millionen Quadratmeter Verkaufsfläche – also 1,5 m² pro Einwohner – analysierte er den Leipziger Markt hinsichtlich Mieten, Passantenfrequenzen, Neuvermietungen und verfügbarer Flächen. Trotz wachsendem Online-Umsatz um rd. 10 Prozent im Jahr 2018 generiert der stationäre Handel immer noch etwa 90 Prozent des Gesamtumsatzes. Stärkste Warengruppe ist weiterhin Bekleidung. Der EH-Umsatz in Leipzig stieg in den letzten fünf Jahren um 8,3 Prozent auf rd. 2,75 Mrd. Euro, davon entfällt etwa ein Viertel auf die Leipziger Innenstadt. Die Mietkosten variieren in Innenstadtlagen von 20 bis 120 Euro/m². Seit 2017 wurden rd. 17.000 m² neu vermietet. Der Leerstand beträgt – ohne die Höfe am Brühl und Promenaden Hauptbahnhof zu berücksichtigen – fast 20.000 m². Zum Fazit seines Vortrages stellt Jan Wetzel u. a. fest, dass es zunehmend schwieriger wird, Flächen in Nebenlagen sowie mehrgeschossig zu vermieten. Bei den Vermietern setzt er auch auf ein Umdenken zu flexibleren Mietkonditionen.
In der anschließenden Gesprächsrunde kamen zudem der Geschäftsführer des Handelsverbandes Sachsen e. V., Gunter Engelmann-Merkel, Robin Spanke, GF der Höfe am Brühl und 2. Vorsitzender 1. Vorsitzender des City Leipzig Marketing e. V., Stefanie Komm von der Stadt Leipzig und Axel Hüpkes, Präsident der DEHOGA Sachsen und GF des NH Hotels Neue Messe zu Wort.
Diskutiert wurden unter Einbeziehung des Publikums u. a. das Parken in der Innenstadt, die Förderung des EH in den Stadtteilen im Rahmen der Stadtentwicklung, die optimalere Nutzung der digitalen Möglichkeiten durch den Einzelhandel, sowie der Stand der Umsetzung des Stadtratsbeschlusses zur Erhöhung der Attraktivität der Innenstadt.
www.ifhkoeln.de; www.comfort.de; www.city-leipzig.de; www.handel-sachsen.de
BG

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