Moderne Mobilität für die wachsende Stadt mit einem Blick in die Werkstatt

Ein Thema, das alle sprichwörtlich bewegt, führte rund 40 Teilnehmer zur Veranstaltung Marketing vor Ort ins Technische Zentrum Heiterblick der Leipziger Verkehrsbetriebe. Am 12. April ging es um „Moderne Mobilität für die wachsende Stadt“.

Der modern gestaltete Werkstattkomplex schließt auch historische Bausubstanz ein. Ein Knackpunkt bildete die „Aufrüstung“ der Hallen, damit die XXL-Straßenbahnen komplett hineinpassen und gewartet bzw. repariert werden können.

Ulf Middelberg, Sprecher der Geschäftsführung der Leipziger Verkehrsbetriebe GmbH (LVB) begrüßte alle am Tor. Er sprach kritisch über das Investitionsvolumen für die Werkstatt von 45 Mio. Euro, für das „nur“ 10 Mio. vom Freistaat Sachsen bezuschusst wurden – das war vor 10 Jahren. Für einen Betriebshof erhielt man jedoch danach 75 Prozent Landesförderung, was, wie Middelberg betonte, „bundesweit für solche Infrastrukturprojekte üblich ist.“ Für die weitere Modernisierung der Infrastruktur und des Fahrzeugparks der LVB werden bis 2030 rd. 800 Mio. Euro benötigt, wobei die o. g. „Hypothek“ noch ins Gewicht fällt.

Erster Programmpunkt des Abends war die Besichtigung der Hauptwerkstatt Straßenbahn. Frank Waldenmaier leitet sie seit wenigen Jahren und gab einen umfassenden Einblick in die technologischen Abläufe der Hauptuntersuchung, der jeder Straßenbahnzug nach acht Jahren bzw. 800.000 gefahrenen Kilometer unterzogen wird. Immerhin gehören 300 Wagenzüge zur „Flotte“ der LVB. Bis zu 40 Jahre leisten die Bahnen ihren Dienst. Um die Ausfallzeiten der Fahrzeuge während der Generalüberholung möglichst gering zu halten, werden komplette Baugruppen ausgetauscht. Immerhin bis zu drei Monate „stehen“ sie dennoch. Entsprechend viel Lagerfläche wird im Untergeschoss genutzt. Darüber sind lange Montagegruben, die den kompletten Wagenzug aufnehmen können. Gearbeitet wird von 6 bis 22 Uhr. Die Berufe sind weit gefächert und umfassen z. B. Schmiede, Schlosser, Dreher und Elektromonteure. Umgekehrt ist es in den Straßenbahnhöfen, dort sind weniger Spezialisten sondern mehr Generalisten tätig, wie Frank Waldenmaier erklärte.

Nach dem sehr informativen rund 40minütigen Rundgang ging es ins 1. Obergeschoss zum Buffet. Danach referierte Ulf Middelberg zum Thema des Abends: „Moderne Mobilität für die wachsende Stadt“.

LVB-Chef Ulf Middelberg stellte klar, dass sich der Mobilitätsdienstleister klar den Herausforderungen der Zukunft stellt und neben Deutscher Bahn, PKW, Taxi, Radverkehr usw. einen Marktanteil von 25 Prozent erreichen will. Von gegenwärtig rd. 57 Millionen Fahrgästen soll bis 2022 die Zahl auf bis zu 80 Millionen steigen. Um diese Anforderungen zu bewältigen, sind bis zum Jahr 2030 Ersatzinvestitionen von 56 Mio. Euro und Wachstumsinvestitionen von 725 Mio. Euro nötig.

Die Kommunikation der LVB als Teil der „L-Familie“ soll auch zu diesem Wachstum beitragen, indem sich das Unternehmen seit 2011 klar als Mobilitätsdienstleister für die Menschen in Leipzig profiliert hat. Mit klassischen Werbemitteln über Events – wie Namenstaufen neuer XXL-Bahnen – bis zur Onlinekommunikation reicht die Kommunikationspalette.

Dabei war die Situation noch vor wenigen Jahren durch eine total überalterte Fahrzeugflotte vor allem bei Bussen geprägt, da die Förderung durch den Freistaat sehr gering war. Mit dem Strategiepapier Focus 25 wurde vor rd. fünf Jahren eine Trendwende eingeleitet, die sichtbar Früchte trägt und die Qualität und Quantität der Transportleistungen per Bussen und Bahnen wesentlich verbessert hat. Auf der Agenda für die nächsten Jahre stehen auch logistische Herausforderungen, um Abstellkapazitäten zu verbessern und das schnelle Reagieren auf besondere Einsatzsituationen zu ermöglichen. Dazu werden die Betriebshöfe in Heiterblick, Angerbrücke und Lausen für Bahnen und in Paunsdorf, Dölitz und Lindenau für Busse weiter ertüchtigt. Bei diesen gewaltigen Investitionen ist der Freistaat natürlich wiederum gefragt.

Von 2021 bis 2030 sollen die Verkehrserlöse zudem von 65 auf 68 Prozent wachsen. Stabile Einnahmen werden u. a. durch stark wachsende Abonnements erreicht. Ein Drittel der Nutzer des ABOFlex-Tarifes fahren häufiger mit Bahn und Bus, so dass auch hier ein Einnahmeplus verzeichnet werden kann. Sparen können die Nutzer von Jobtickets, bei denen aber eine Vereinbarung des Arbeitgebers mit den LVB Voraussetzung ist.

Neuester Coup der LVB seit dem Sommer 2018 ist das Produkt „Leipzig mobil“, bei dem ÖPNV-Tickets und Taxi in Leipzig, Carsharing und Bikesharing deutschlandweit auf eine Karte gesetzt werden.

Viel Diskussionsstoff gab es noch im Anschluss, wobei auch das Thema permanent steigender Fahrpreise nicht ausgespart wurde.

www.lvb.de

BG

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